Newsletter Nr.3 - 2009

 

 

Liebe Abonnenten des NaturHund. - Newsletter!

 

Es ist November, auch wenn wir es anhand der zurzeit herrschenden Temperaturen nicht recht glauben können. Die Vorweihnachtszeit steht vor der Türe, in wenigen Tagen zünden wir wie jedes Jahr die erste Kerze an und geben uns der Besinnlichkeit hin. So nehmen wir es uns vor. Was wird am Ende draus?

 

Bei mir ist schon vor einer Woche so etwas wie Besinnlichkeit eingezogen. Nach mehr als vier Jahren verbringe ich meine Tage wieder mit einem eigenen Hund. Fanni heißt sie, ist eineinhalb Jahre alt und hat die meiste Zeit davon im Bonner Tierheim verbracht. Insgesamt acht Monate, was mir ein echtes Rätsel ist. Nun gut, wenn sie keiner will, ich wollte!

 

Diesen Newsletter möchte ich nutzen, um Ihnen von meinen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen der ersten gemeinsamen Woche zu erzählen. Es ist Erfahrungsbericht, Selbstoffenbarung und Wegweiser für die Aufnahme eines Hundes aus dem Tierschutz. Wohl wissend, dass ich von mir und Fanni spreche. Anderer Hund, anderes Vorgehen, andere Geschichte.

 

Also dann, hier geht es los.

 

 

 

Die Themen diesen Monat:

 

Fanni zieht ein. Die ersten Tage mit einem neuen Hund.

Auf einen Blick – Leinenaggression.

Hintergrund – Warum springt ein Hund Menschen an?

Frage des Monats.

Termine.

 

 

 

Fanni zieht ein.

 

Seit einigen Monaten spiele ich mit dem Gedanken, wieder mal einen Hund bei mir aufzunehmen. Vier Jahre ohne eigenen Vierbeiner und seit einem Jahr lebe ich auf dem Land in einem kleinen Häuschen direkt an Feld, Wald und Wiesen. Dazu vier Jahre, in denen sich meine Arbeit fast ausschließlich um verhaltensauffällige Hunde und ihre Halter drehte, da wird es Zeit für ein wenig „Normalität“ in den eigenen Räumen.

 

Und vor zwei Wochen dann ein Drehtermin für den WDR im Bonner Tierheim und die erste Begegnung mit Fanni. Zwei Minuten später die zweite, vier Tage später der erste Kontakt mit ihr in Form eines einstündigen Spazierganges, eine Stunde später der zweite, weitere vier Tage später sitzt die Kleine bei mir im Auto und wir starten von Bonn in Richtung Domburg, Südholland. Ans Meer. Weite, Ruhe, Zeit. Die ersten gemeinsamen Tage.

 

So war das. Und im Auto auch gleich die ersten Erkenntnisse. Nicht jeder Hund verträgt das Autofahren. Und nicht jeder Hund behält dann das Futter wieder bei sich. So kam es, dass die Zahl der Pausen sich mehr und mehr der Zahl der gefahrenen Kilometer näherte (wenigstens gefühlt) und die erste Decke auch gleich ihren Dienst quittierte. Wäre ich nach Hause gefahren, ich hätte sie gewaschen. Aber im Hotel fragen ob sie eine…, nun ja, Sie wissen schon. Also weg mit dem Ding, war eh schon alt.

 

In Domburg dann ans Meer, Hundekontakt, Schleppleine, die ersten Schritte in Richtung neue Beziehung. Und hier sehe ich auch Argumente und Überzeugungen, die in den letzten Jahren an fremden Hunden gewachsen sind an meinem eigenen Hund bestätigt. Hunde brauchen Raum, um sich mitzuteilen. Hunde brauchen Kontakt, um sicher zu werden. Hunde brauchen Grenzen, um zu wissen wo sie dran sind. Und Hunde brauchen die Sicherheit einer sozialen Rolle, die ihnen Freiräume schafft. Zu diesem letzten Punkt bitte auch den „Hintergrund“ weiter unten lesen, da erläutere ich das genauer.

 

Der erste Tag stand ganz im Zeichen des Kennen lernen. Fanni mich, ich sie, wir uns und beide zusammen unser neues Leben. Also rein ins Leben, in Cafés, Restaurants, Einkaufsstraßen, Hotelzimmer und Strand. Und alle paar Minuten eine neue Erfahrung. An kurzer Leine ein Mordstheater bei fremden Hunden. Sobald ein Kontakt hergestellt wurde eine 1a Kommunikation mit allem was dazu gehört. Erklärung unter „Auf einen Blick.“! Ein kleiner unsicherer Terrier verbeißt sich in Fannis Fell am Hals und wird von ihr ein paar Meter mit getragen. Sie hat wohl den fehlenden Ernst der Lage erkannt und gibt dem kleinen Kerl die Möglichkeit, danach auch mit weniger Getöse Grenzen zu setzen. Fazit hieraus: Ich kann meinen neuen Hund bedenkenlos auch in meiner Arbeit einsetzen. Zum Beispiel bei Hundehaltern die glauben, ihr Hund sei eine reißende Bestie, nur weil es an der Leine nicht möglich ist, sich einem fremden Hund zu nähern.

 

In Café und Restaurant dann das Thema „Ich setze mich hin und wir kommen zur Ruhe“. Am ersten Abend – ich hatte einen Bärenhunger und das Essen steht gerade auf dem Tisch als Fanni unruhig wird und fiepsend hin und her trappst. Nun ja, acht Monate in einem Auslauf, ich geh mal hier hin und mal da hin, und wenn es mir dort nicht gefällt auch mal wieder nach hier. Für mich war der Fall klar, die Motte muss lernen, die Füße still zu halten wenn ich mich hinsetze. Also beharrlich bleiben und warten, bis sie sich wieder hinlegt. Besser wäre gewesen, auch den Faktor Harndrang in Betracht zu ziehen. Erster Abend im Restaurant, und mein Hund schifft unter den Tisch. Hurra!!! Willkommen in der Welt der Hundehalter! Fazit hieraus: Hunde, die nicht liegen können, müssen müssen. Oder: Trainer die denken, immer alles richtig zu sehen müssen putzen? Auch richtig.

 

Die folgenden Tage in Holland verliefen dann traumhaft. Mehr und mehr Aufmerksamkeit am Strand, Fanni folgt wenn ich gehe, sie legt sich in den Sand wenn ich mich setze. Wir verbringen Zeit in Cafés und sie legt sich hin (Pipi hat sie vorher gemacht, extra drauf geachtet J), wir können ohne Gezerre an anderen Hunden vorbei, nach drei Tagen läuft die Kleine an locker durchhängender Leine durch die Stadt und ich führe die ersten sprachfreien Körperaktionen ein. Und auch auf diese reagiert Fanni sehr aufmerksam und immer flüssiger.

 

Nun sind wir seit Freitag wieder zuhause, sie kommt mehr und mehr an, sie weiß mittlerweile was ein fester Liegeplatz ist und das erste Wochenende im Seminarraum im Rahmen eines Ausbildungswochenendes verlief ohne großen Stress. Ich bin begeistert von meinem Hund! Dazu der erste Einsatz mit der Hündin einer Kundin. Auch hier Vertrauen pur. Ich vertraue ihr, sie mir immer ein Stück mehr. Ich berichte, wie es weitergeht.

 

 

 

Auf einen Blick – Leinenaggression.

 

Was für ein Wortungetüm. Wer hat es erfunden und was will er oder sie uns damit sagen? Es hält sich hartnäckig ein Gerücht, mit dem ich hier kurz und schmerzlos aufräumen möchte. Hunde, die an der Leine andere Hunde anpöbeln, ohne Leine aber gut mit anderen klar kommen tun dies nicht, weil sie sich durch die Leine gestärkt fühlen. Im Gegenteil. Die Leine nimmt unseren Hunden vor allem in der Begegnung mit einem fremden Artgenossen jegliche Möglichkeit, artgerecht zu kommunizieren. Und die fehlende Kommunikation und die Reaktion des anderen Hundes hierauf ist der Grund, warum so ein Getöse veranstaltet wird.

 

Hunde kommunizieren mit ihres gleichen schon über die Bewegung vor dem ersten Kontakt. Jedes zur Seite drehen, jeder kleine Bogen, jedes leichte Abducken ist schon Teil der Kontaktaufnahme. Und der Gegenüber reagiert natürlich auch hierauf. Wie soll eine Kontaktaufnahme denn ruhig verlaufen, wenn wir nicht einmal die kleinsten Eröffnungssignale zulassen und mittels der Leine und unserem Gezerre alles weitere unterbinden? Stattdessen wird dann der Hund mit überflüssigen Kommandos in den „Gehorsam“ gebracht – zumindest wird es versucht. Was meist eh nicht gelingt.

 

Ich plädiere für mehr Kontakte für solche Hunde, die nichts Böses vorhaben, und das sind aus meiner Erfahrung die meisten. Und damit meine ich auch den Kontakt an der Leine. Daran ist überhaupt nichts Schlimmes wenn ein paar kleine Regeln beachtet werden. Die Leine sollte eine ausreichende Länge haben, so dass ich sie auch mal fallen lassen kann wenn die Hunde Gefahr laufen, sich beim Umkreisen darin zu verfangen. Und der Kontakt muss mit dem Halter des anderen Hundes abgesprochen sein. Also muss auch hier gelernt werden zu kommunizieren.

 

Nur ein Hund, der kommunizieren darf wird dies können, wenn er muss.

 

 

 

 

Hintergrund – Warum ein Hund den Menschen anspringt.

 

Ich möchte noch einmal auf Fanni zurückkommen. Sie und ihre Geschichte ist einfach ein schönes Beispiel für ein weiteres Missverständnis zwischen Mensch und Hund.

 

Fanni zeigte gleich bei unserer ersten Begegnung im Tierheim eine ihrer Marotten – das Anspringen von Menschen. Und die erste Regel musste lauten: Nicht Anspringen! Nun gibt es ein kleines Problem zwischen Hunden und ihren Menschen. Ein Hund zeigt ein Verhalten und wir bewerten es in gut oder schlecht. Leider vergessen wir an dieser Stelle den Grund des Verhaltens. Aber genau den müssen wir sicher kennen bevor wir dem vermeintlich unerwünschten Verhalten einen Riegel vorschieben. Im Klartext: Was wir sehen ist selten das, was der Hund meint. Das bedeutet im Falle des Anspringens folgendes:

 

Ein Hund, der den Menschen anspringt drückt damit zunächst Demut und Unterordnungsbereitschaft aus. Sie lesen richtig, Demut, Unterwürfigkeit. Wie kann das sein? Wenn er demütig wäre würde er doch unten bleiben. Richtig, voraus gesetzt wir würden auch auf allen Vieren laufen. Dann müsste der Hund nicht springen und käme auch so an unseren Mund. Denn genau da will – nein, MUSS! – er hin um das zu zeigen was ihm wichtig ist. Können Sie bis hierher folgen? Wenn es jetzt schon klingelt im Kopf, bitte rufen Sie mich an, im Gespräch lässt sich das sowieso viel einfacher erklären.

 

Demutsgesten lassen sich unterteilen in aktive (dazu gehört das Lecken der Maulpartie und das ständige Bespringen des Gegenüber) und passive Demut. Letztere erkennen Sie daran, dass der Hund sich demütig verhält, wenn Sie es einfordern, er zollt Ihrer Anwesenheit oder einer Grenze Respekt. Ein Hund, der mich anspringt hat zum einen gelernt, sich mit dieser Form der Demut einen Vorteil zu verschaffen. Er hängt aber auch in der Luft, denn er zeigt mir mit seinem Verhalten, dass er die Beziehung zu mir überhaupt nicht einschätzen kann. Ihm fehlen die Sicherheit einer Rolle und die damit verbundenen Regeln. Es ist einfach, einem Hund das Anspringen zu verbieten. Was er jedoch im Gegenzug bekommen muss sind glaubwürdige Grenzen (NEIN ist keine Grenze!!!), souveräne Führung und ein hohes Maß an Verständnis für seine Möglichkeiten der Kommunikation. Also, lernen Sie hündisch, denn der Hund wird auch nach Jahren nicht anfangen zu reden.

 

 

 

 

 

Frage des Monats

 

Ich habe von einer Leserin eine Frage zur Ernährung bekommen, die möchte ich hier gerne beantworten. Sie lautet:

 

„Gibt es eine Art Topliste der Futtermittelhersteller? Was wäre die optimale Ernährung für den (Durchschnitts)-Hund und welche käme auf Platz zwei usw.?“

 

Ich beschäftige mich seit einigen Jahren mit der Ernährung und der Gesundheit der Hunde und habe eines nie getan – eine Empfehlung für ein bestimmtes Futter ausgesprochen. Dabei bleibe ich auch jetzt. Dennoch gibt es ein paar Kriterien für die Suche nach einer optimalen Ernährung.

 

1. Die Bedürfnisse an die Ernährung sind immer im Einzelfall zu sehen. Ich kann ein Hundefutter nicht pauschal ablehnen, genau so wenig kann ich sagen, dass ein bestimmtes Futter für alle Hunde geeignet ist.

 

2. Ich halte die Rohfütterung für die hochwertigste Ernährungsform. Weil ich hierbei selbst bestimmen kann, was mein Hund bekommt. Und ich finde auch, dass von manchen Vertretern des „Barfens“ viel zu viel Wirbel um Futterpläne, Zusätze und Mengenangaben gemacht wird. Hundeernährung ist einfach und unkompliziert. Wie das ganze Wesen Hund.

 

3. Für mich muss Hundefutter getreidefrei sein. Wenn Sie Fertigfutter geben, dann rechnen Sie mal unter den Angaben „Inhaltsstoffe“ die Werte für Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Rohfaser zusammen. Dann rechnen Sie bitte den Feuchtigkeitsgehalt dazu, der sollte dort auch stehen. Steht da nichts, dann beträgt die Feuchtigkeit unter 10% der Gesamtmenge, also rechnen Sie 9 zu der Addition von eben hinzu. Der Rest zu 100 ist nun der Anteil der Kohlenhydrate im Futter, welcher in etwa das Gleiche ist wie der Anteil an Getreide. Achtung: Wenn in Ihrem Futter Kartoffeln oder Bananen statt Getreide verwendet wurden, dann ist der Kohlenhydratanteil meist geringer und er stammt natürlich nicht aus Getreide. Schauen Sie, ob unter „Zusammensetzung“ auch Getreide oder Reis oder Mais stehen.

 

3. Billiges Fertigfutter kann nicht hochwertig sein. Wieso sollten denn hochwertige Rohstoffe für den Hersteller billig zu haben sein? Und ein „Sehr gut“ der Stiftung Warentest ist nur dann Aussage kräftig wenn Sie wissen, für was genau das „Sehr gut“ vergeben wurde. Wissen Sie´s?

 

4. Die Ernährung des Hundes (und die des Menschen) ist zu wichtig, um sie in ein paar Nebensätzen abzuhandeln. Und Floskeln, Überzeugungen und Parolen reichen auch nicht aus um anderen Haltern Sicherheit zu geben bei der Auswahl des richtigen Futters. Ich nehme mir gerne in einem persönlichen Gespräch die Zeit, die Fütterung eines Hundes im Einzelfall zu beurteilen.


 

Haben Sie eine Frage, die Ihnen unter den Nägeln brennt?  Sie können sie hier an mich verschicken. Vielen Dank!

 

Bei Fragen zu akuten Problemen mit Ihrem Hund oder zu den Möglichkeiten eines individuellen Trainings nutzen Sie bitte das Kontaktformular auf meiner Homepage. Ich selbst oder einer meiner Trainer wird sich dann mit Ihnen in Verbindung setzen.

 

 

 

 

Aktuelle Termine

 

Sonntag, 06. Dezember 2009: WDR Fernsehen, Tiere suchen ein Zuhause, 18.15; ein Beitrag mit mir und einem Kangal, der kürzlich vermittelt wurde.


Die Termine für 2010 stehen noch nicht fest, hierzu mehr im nächsten Newsletter.

 

 

 

 

Für diesen Monat war es das. Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit und ein paar besinnliche Stunden bei Kerzenlicht, Walnüssen und heißem Tee! Und ich freue mich auf Ihre Fragen und Anregungen und schicke Ihnen herzliche Grüße aus Eitorf,

 

 

 

 

Ihr Mirko Tomasini von NaturHund.