Liebe Abonnenten des
NaturHund. - Newsletter!
Und auch diesen Monat bitte ich wieder um Fragen, näheres dazu im Folgenden.
So, hinein in die
Themen des Monats, viel Spaß beim Lesen, Nachdenken und
Wundern.
Folgende alltägliche Situation: Ein Hundehalter verlässt mit seinem Hund an der Leine das Haus. Bereits auf den ersten Metern hängt der Hund in der Leine und zieht, was nicht gerade zu Gelassenheit und Freude des Halters beiträgt. Klarer Fall, fehlende Leinenführigkeit. Ein paar Meter weiter bleibt der Hund stehen und schnüffelt, der Halter nähert sich in diesem Moment dem Hund, die Leine hängt durch. Der Hund schnüffelt noch immer, der Halter geht weiter und an seinem Hund vorbei. Der Hund schnüffelt noch immer, die Leine ist zu Ende, der Halter bleibt stehen und wartet...wartet...wartet...bis es ihm zu lange dauert und er seinen Hund mit dem Zug an der Leine hinter sich herzieht. Und jetzt die Frage nach der Leinenführigkeit: Wer zieht an der Leine?
Bevor also der Hund lernt, an diesem Objekt Leine nicht mehr zu ziehen müssen wir ihm einen Schritt entgegen kommen und ihm zeigen, dass es diese Kontrolle über die Leine von unserer Seite nicht mehr gibt. Das ist nicht für alle alltagstauglich, das weiß ich. Es gibt aber viel mehr Möglichkeiten, diese Grundlagen zu schaffen als Sie denken. Eine davon möchte ich kurz beschreiben.
Beobachten Sie sich ein paar Tage lang in Ihren eigenen Abläufen. Vor allem der Moment, in dem Sie die Leine in die Hand nehmen ist von großer Bedeutung. Ist es vielleicht so, dass Sie immer kurz vor dem Hinausgehen nach der Leine greifen? Und dass der Hund dann schon weiß, was folgt? Fällt Ihnen etwas auf? Die Leine ist für den Hund zum Signal geworden. Sie kündigt ihm an, dass es gleich lustig und spannend wird. Und diese Erregung, in die er durch den Anblick der Leine kommt, verhindert die Ruhe an der Leine, die der Mensch sich wünscht. Und nicht vergessen: ES wird lustig und spannend, nicht SIE :-). Nix für ungut!
Hier könnte eine
Veränderung der Abläufe ansetzen. Erst, wenn die Leine ihre Funktion als
Signalgeber verliert hat der Hund eine Chance, sich anders zu verhalten. Dazu
könnten Sie zum Beispiel die Leine mehrmals täglich in der Wohnung oder im Haus
oder im Garten einsetzen. Der Ablauf ist nun ungefähr dieser: Jedesmal, wenn
Frauchen oder Herrchen die Leine nimmt und mir anlegt, beginnt ein ruhiges
Aufmerksamkeits- und Führspiel. Ich möchte Ihnen nicht weis machen, dass Ihr
Hund alleine dadurch lernt, ruhig an der Leine zu gehen, dazu gehört noch ein
bisschen mehr. Vor allem mehr Aktion mit Ihnen. Nicht unbedingt von Ihnen!
Und wenn Sie beim nächsten Spaziergang bemerken, dass Sie genau so an der Leine ziehen wie Ihr Hund, dann sind Sie bereit für Veränderung - bei sich selbst. Denn: Wenn die Leine straff ist, dann ist nicht der Hund zu weit weg von seinem Menschen. Dann ist der Mensch zu weit weg von seinem Hund.
Hunde fühlen sich
sicher, wenn sie die Vorgänge in ihrer Umgebung einschätzen können. Der
Grundstein dafür wird in der so genannten Prägungs- und Sozialisationsphase
gelegt. Fremde Menschen, Geräusche, andere Hunde und Alltagssituationen, mit
denen wir unsere Hunde konfrontieren, werden als Teil des Ganzen wahrgenommen
und für nicht-bedrohlich befunden.
Eine abschließende
Bitte: Ignorieren Sie den Hund nicht, wenn es sich für Sie besser anfühlt mit
ihm in Kontakt zu treten. Wichtig ist nicht, wie. Wichtig ist,
dass!
Am 13.09.2008 ging es los. Mit ganz viel Hundeerfahrung im Gepäck, zwei eigenen Hunden und Wissen, dass ich mir in Seminaren, Vorträgen, Hundeschulen und aus Büchern angeeignet hatte, startete ich in die Ausbildung. Aufgeregt und neugierig lernten wir „Azubis“ uns an diesem Tag kennen.
Gleich nach dem ersten Wochenende hatte ich mehrere große Fragezeichen im Kopf: Wie soll ich das Neue mit dem Alten verbinden? Geht das überhaupt? Wo passt „sprachfrei“ in unseren Alltag, wo nicht und passt es überhaupt zu mir? Wie vermittele ich es anderen? Gibt es eine verständliche Erklärung dafür? Es herrschte Chaos in meinen Gedanken.
Um es kurz zu
machen:
Ich lernte, mein „herkömmliches Hundewissen“ gedanklich außen vor zu
lassen, mich auf die neuen Ansätze einzulassen, wertfrei zu beobachten, die
Bedürfnisse des Hundes, des Hundehalters und meine eigenen einzuschätzen. Ich
lernte eine Menge über Kommunikation. zwischen Menschen, zwischen Menschen und
Hunden und zwischen Hunden.
Aber vor allem lernte ich meine hohen Erwartungen
an Hunde zu überdenken und schließlich auch zu senken. Dadurch wurde mir ein
Druck genommen, der vorher Manches unmöglich machte.
Nach einem Jahr Ausbildung weiß ich, dass Beziehung und Aufmerksamkeit die Grundlage für alles andere im „Mensch-Hund-System“ ist. Ich habe es nicht nur an den eigenen, mittlerweile drei Hunden, gesehen sondern auch bei ganz vielen „Kundenhunden“. Denn der wertvollste Erfahrungsschatz, den wir während der Ausbildung erhalten haben, waren die vielen praktischen Termine, bei denen wir nicht nur dabei sein konnten, sondern beobachten, selber aktiv sein, reflektieren und diskutieren durften.
Das Chaos in meinem
Kopf hat sich geklärt. Geblieben sind unendlich wertvolle Erinnerungen und
Erfahrungen, der Vorsatz mit dem erworbenen Wissen verantwortungsvoll mit
Menschen und ihren Hunden umzugehen, eine große Dankbarkeit an Mirko Tomasini,
der mir einen Weg gezeigt hat, den ich gerne weiter gehe, an Eva und Carsten
Payenberg, die immer geduldig mit Rat und Tat zur Seite standen und an meine
„Mitauszubildenden“ für den großartigen Zusammenhalt in unserer Gruppe während
aller Phasen.
1. Die Frage nach dem Glück oder: Bin ich doch nur der Dosenöffner? Und woran erkenne ich, dass mein Hund bei mir zufrieden ist und es nicht als Gefangenschaft empfindet?
Ist ein Hund in einem Zwinger gefangen und auf einer Wiese ohne Leine laufend frei? Ist es seine Vorstellung von Gefangenschaft und Freiheit, die sich da ausdrückt oder unsere? Ich denke, sowohl der Zwinger als auch die Wiese stehen für Grenzen und Freiraum gleichzeitig. Was nicht bedeutet, dass dem Hund der Zwinger reicht, sicher tut er das nicht. Aber der Zwinger gibt klare Grenzen vor, das tut die Wiese nicht.
Mein Gefühl sagt mir, dass ein Hund dann zufrieden bei mir ist, wenn ich ihm einen Lebensraum vorgebe, in dem er sich mit seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen anpassen und mitteilen kann. Zu diesem Freiraum den er benötigt gehört aber auch immer die entsprechende Grenze, und hier wird es schwierig. Denn wie diese Grenzen beschaffen sind, ist nicht wichtig. Nur dass er diese Grenzen auch als Grenzen verstehen kann, das ist von Bedeutung.
Ich bin überzeugt, dass sich die Frage nach dem Glück des Hundes nur darüber beantworten lässt, wie wir UNS erleben im Umgang mit dem Hund. Wenn sich das, was wir unseren Hunden vorgeben für uns richtig anfühlt, dann tut es das auch für den Hund. Wenn wir also die Verantwortung für unser Wohlbefinden übernehmen, dann tun wir dies gleichzeitig auch für unsere Hunde. Und unsere Kinder. Und unsere Nachbarn.
Also: Wenn Sie sich wohl fühlen (ich meine ehrlich wohlFÜHLEN, nicht wohlDENKEN!), dann tut es auch Ihr Hund. Wenn Sie anderer Meinung sind, ich freue mich auf Ihre!
Ihre persönliche
"Frage des Monats" können Sie hier
an mich verschicken. Vielen Dank!
Das Workshopjahr neigt
sich für mich so langsam dem Ende entgegen, es folgen Herbst und Winter mit ein
bisschen mehr Ruhe und weniger Angeboten. Im nächsten Newsletter erscheinen dann
voraussichtlich schon die Termine für 2010. In der Zwischenzeit haben Sie
natürlich weiterhin die Möglichkeit, sich bei Problemen mit Ihrem Hund an mich
oder einen meiner Trainerkollegen zu wenden. Einzeltermine sind das ganze Jahr
über möglich, und auch das Gruppenkursangebot meiner Kollegen Eva und Carsten
Payenberg läuft weiter. Infos finden Sie
hier.
Für diesen Monat war es das wieder. Ich freue mich auf Ihre Fragen und Anregungen und schicke Ihnen herzliche Grüße aus Eitorf,